Archiv Nachlesen

Hier finden Sie die Nachlesen der vergangenen Jahre. Viel Spaß beim Lesen!

Nachlese 2011

Februar

Chinesisches Neujahr

Eisiger Wind pfeift über die Felder, die Finger sind kalt, die Gelenke unbeweglich. Im grauen Nachmittagslicht züngelt und flackert die kleine Flamme des Feuerzeugs und erlischt schnell. Nur mit Geduld und Geschick lassen sich dennoch ein paar Chinaböller zünden. Der dumpfe Knall fliegt weit über die Hochebene. Jetzt schnell aus der winterlichen Kälte! Bei Tee spielen wir in kleiner Runde das IGing. Die 49 Scharfgabenstängel wandern von Hand zu Hand, das Auszählen beruhigt die Gedanken, die formulierte Frage kann ungestört ihre Antwort finden. Sechs Striche werden zu einem Hexagramm ausgezählt und ergeben eines der 64 Zeichen. Später Meditation, Sitzen, Gehen, Rezitieren, Lesen. In der Chronologie der Kapitel des Tao Te King ist heute Nr. 48 an der Reihe: "Im Streben nach Gelehrsamkeit kommt jeden Tag etwas hinzu. Im Streben nach dem Weg wird jeden Tag etwas weniger. Vermindere und vermindere weiter, bis nichts mehr getan werden muss. Wenn nichts getan wird, bleibt nichts ungetan..." [Fassung von Gia Fu Feng] Zum Seitenanfang

Meditationstag Wasser

Chinesisches Zeichen für WasserIm Kreis der fünf Elemente, der den fortwährenden Wandel in der Natur widerspiegelt, repräsentiert das kalte fließende Wasser die Jahreszeit Winter. Entsprechend der Gesetzmäßigkeit in der Natur bedeutet das Rückzug, Sammlung, Ruhe und Speichern und Bewahren der Energie. Diese Yin dominierte Zeit der Kälte und Dunkelheit überschreitet die zeitliche Grenze zwischen altem und neuem Jahr und ist sowohl das Ende des Vegetationszyklus als auch die Grundlage und Nahrung für das nun folgende Element Holz/Frühling.

Das Schriftzeichen "shui" für Wasser bestand ursprünglich aus einer geschwungenen Mittellinie für einen Bach oder Fluss und seitlichen, ebenfalls geschwungenen Linien für die Wirbel des fließenden Wassers oder Seitenarme des Flusses. Ursprüngliches chinesisches Schriftzeichen für WasserWasser besitzt in vielen Kulturen eine hohe symbolische Bedeutung auf Grund der Tatsache, dass es unsere Lebensgrundlage bildet und den größten Anteil an unserer materiellen Existenz. Ohne eigene feste Form passt es sich mühelos den äußeren Bedingungen an, umgeht  alle Hindernisse, füllt jede Tiefe aus, scheut vor keinem Sturz zurück und nährt dabei alle Lebewesen ohne Unterschied. Sein ununterbrochener Fluss ist u.a. auch Vorbild für die Bewegungen in den inneren Kampfkünsten.

Den Phasen des stillen Sitzens während der Meditation stellen wir Gedanken zum heutigen Thema "Wasser und seine Analogien"  voran. Es geht um den Funktionskreis Niere/Blase und das Sinnesorgan Ohr, um Willen, Angst und Furcht und um Rückzug und Bewahren der Energie während der Jahreszeit Winter. Der Heilende Laut für die Niere bringt uns zum Schluss des Sitzens noch einmal in bewussten, liebevollen Kontakt mit diesem bedeutenden, zentralen Organ. "Auf der Höhe des Tages", während der Mittagsstunden üben wir das Bogenschießen, aus der Ruhe des Sitzens und mit hoher Konzentration. Am Abend sind wir dankbar für das Geschenk dieses Tages.Zum Seitenanfang

Mallorca

"Das Jahr hat es in sich", schrieb mir eine Freundin vor ein paar Tagen und sie meinte ihre persönlichen Geschehnisse aber auch die in der Welt: Millionenfache Katastrophe mit globalen Auswirkungen im kleinen Japan, Machthaber Gaddafi führt Krieg gegen sein Volk, die chinesische Polizei- und Militärmacht rüstet auf gegen die eigene unzufriedene Bevölkerung und alle üblichen Desaster, die die menschliche Gier provoziert und an die wir uns schon lange gewöhnt haben.

Diesmal fand die Reise ohne mich statt. Die Nachlese wurde von Annette verfasst, das Foto von Karla geschossen.

Mensch an der Meeresküste mit erhobenen Armen"...Wir hatten Glück mit dem Wetter, ein einziger Regentag und die Temperaturen angenehm. Die Ausflüge haben wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt, das war gewöhnungsbedürftig. Nach Cala Major ins Miro Museum, ins Aquarium von Palma, zweimal nach Port Andratx, eine Wanderung von Camp de Mar zum Don Antonio und den letzten Tag verbrachte jede nach eigenem Geschmack: Karla in Peguera, und ich selbst unternahm zusammen mit einem jungen Paar mit Kind eine wunderschöne Fahrt entlang der Westküste bis Soller über Banyalbufar und Valdemossa mit Cafestop und Tapas Bar. Pünktlich zum Sundown in Arenal, sahen wir die Sonne im Meer versinken. Der Rückflug, leider schon bald nach dem Frühstück, bescherte uns einen freien Blick auf die schneebedeckten Alpen und die Heimat empfing uns mit angenehmen 7 Grad Celsius und blauem Himmel mit Wattebauschwölkchen. Das erleichterte uns den Abschied von Mallorca sehr, denn gerne wären wir noch geblieben."Zum Seitenanfang

April

Qigong im Schlosspark Kirchheimbolanden

Drei Personen bei einer Qigong ÜbungEin wunderbar heller Frühling. Sonne und Wärme sind dieses Jahr frühe Verbündete des wiederkehrenden Wachstums in der Natur. Schon bald stehen Bäume und Hecken in voller Blüte, saftiges Grün verdrängt das matte Wintergrau aus den Wiesen und bedeckt das erdige Rotbraun der Felder. Die altehrwürdigen Bäume im Schlosspark kleiden sich in üppige, vielfältige Grüntöne. Welch ein Genuss, sich gemeinsam auf einer der gepflegten, sonnenbeschienenen Rasenflächen zwischen den leise im Wind rauschenden Baumriesen zu bewegen!Zum Seitenanfang

Meditationstag Holz

Abbildung von Bambus"... eine traumwandelnde Hummel aus dem Vorjahr ist geschlüpft und schickt sich an, loszufliegen. Die Vögel hantieren geschäftig auf nackten Zweigen... während sie sich gegenseitig etwas zupfeifen... Ach, das ist ja der Frühling! Der verrückte, unerträgliche, beklemmende Frühling. Das ist das Leben, das Sie nicht gefragt hat, das kein Mitgefühl für Ihr Leiden hat, das sich erlaubt zu sein, weiterzugehen und sich zu erneuern. Wie schon immer. Wie in Ewigkeit." (Mirsakarim Norbekov) Aus der Nach-Innen-Orientiertheit des Winters, dem Yin der Wasserphase können wir unsere Aktivitäten allmählich, Schritt für Schritt wieder nach Außen richten, der Bewegtheit der uns umgebenden Welt zu, dem Yang im Yin. Im IGing beschreibt das Doppelzeichen "sun" die "...Eigenschaften der Sanftheit, die jedoch eindringt wie der Wind oder das Holz mit seinen Wurzeln." Diese sanfte Art des Entstehens "...ohne Hast und ohne Rast..." und mit der Biegsamkeit des jungen, noch grünen, sprießenden Holzes kann Hindernisse umgehen und damit die Anfangsschwierigkeiten überwinden. Sich dem stärksten Wind beugen und sich danach wieder aufrichten, biegsam wie ein Weidengeflecht und stark wie ein Speer sein, charakterisiert die Art und Weise des erfolgreichen Neubeginns im Kreislauf des immer währenden und unaufhaltsamen Wandels.Zum Seitenanfang

Juni

Dimensionensprung

Donnerstagabend, 20 Uhr. Im Planetarium in Nürnberg nehmen wir teil an der  "Reise durch das Universum". Im Dom wölbt sich der sternenbesetzte Nachthimmel, der Riesenmond hebt sich langsam über den Horizont und steigt bis zum Zenit. Wir rasen weg von ihm, der Mond wird kleiner und verschwindet schließlich. Wir überfliegen die tiefen Cannons des Mars, durchqueren die Gesteins- und Eisblockringe des Saturn, überschreiten die Grenze der Heliosphäre und entfernen uns aus der Spirale unserer Galaxie, treffen auf hunderte fremder Galaxien, bewegen uns weiter mit Überlichtgeschwindigkeit, Lichtjahre um Lichtjahre, bis zum Echo des Urknalls, dem Kosmischen Rauschen, dann das große Unbekannte, Undurchsichtige, Schweigen. Von der Erde, weniger als ein Sandkorn, ist schon lange keine Rede mehr.

Planetenscheibe im WeltallBenommen von der verschwindend winzigen Dimension unseres Planeten in den unfassbaren Ausmaßen des Universums und der unsäglichen Bedeutungslosigkeit unserer Existenz zwischen Myriaden von kosmischen Körpern treten wir ziemlich schweigsam den Heimweg an. Die Frage, warum wir uns so wichtig nehmen, wo wir doch so unwichtige, geradezu unsichtbare, im Universum unauffindbare und eintagsfliegerische Unbedeutsamkeiten sind, legt sich wie ein Schleier aus Müdigkeit über uns. Zuhause entscheiden wir uns deshalb für den Aufzug anstatt die Treppe. Vier Personen auf 1,5 qm, gerade Platz zum nahe Aneinanderstehen. Der Aufzug setzt sich in Bewegung und... steckt fest. Irgendwo im Gemäuer eines Hauses auf einem Punkt der unscheinbaren Erde im endlosen All. Nach der Schrecksekunde: Der erste, der lacht, hat die Situation erfasst. Gerade noch im Ideenuniversum, jetzt schon im Körpergefängnis und alles als gerade noch unbedeutend erkannte Irdische ist sofort wieder wichtig: Gibt es genug Luft zum Atmen? Wie erreichen wir schnell den Notfalldienst, der uns befreit? Wie lange werden wir eingeschlossen sein? Wen könnten wir noch alarmieren? Berauschend wie die Dimension des Universums scheint die Ausdehnung unseres Geistes, der schnell und mühelos aus dem Weltenraum rauscht und sich in die Enge des Aufzugs zwängt, der durch die Mauern des Schachtes kommt und geht, von dort nach hier, von jetzt nach früher und zukünftig und alles gleichzeitig, wie Dunst, der in alle Räume schwebt, sich verzieht und immer neue Wege findet. Lehrstück des Tages am späten Abend. Und wir ahnen noch nicht, dass wir am nächsten Abend Teil zwei der Lektion erhalten werden. Zur fast gleichen Zeit, im selben Aufzug und wieder zwischen Etage drei und vier.Zum Seitenanfang

Meditationstag Feuer

Frau malt an einem rundenBildVon den Jahreszeiten ist dem Feuer der heiße und helle Hochsommer zugeordnet, von den Organen das Herz, von den Farben das leuchtende Rot. Wir finden Interpretationen der Phase Feuer im IGing unter dem Hexagramm Li, das sich aus zwei gleichen Trigrammen, jeweils aus einem Yin Strich zwischen zwei Yang Strichen zusammensetzt. Thomas Cleary: "Das Feuer enthält das Weibliche in sich... die Erleuchtung in innerer Offenheit." R. Wilhelm sieht in dem Hexagramm den sich wiederholenden Lauf der Sonne: "Yang auf dem ersten Platz: Es ist früher Morgen. Die Arbeit beginnt... Wichtig ist dabei, die innere Sammlung zu bewahren. Yin auf dem zweiten Platz: Der Mittag des Tages ist erreicht. Die Sonne strahlt in gelbem Schein. Gelb ist die Farbe der Mitte und des Maßes... das Bild vollkommener Kultur und Kunst. Yang auf dem dritten Platz: Hier ist das Ende des Tages. Nachdem die Nachmittagssonne ihren Zenit überschritten hat, muss sie unweigerlich untergehen. Der Edle... wartet sein Los ab und festigt dadurch sein Schicksal." Flammen über einem BildDas Zeichen Ding, Feuer in Verbindung mit Holz, spricht den Prozess der Verwandlung an, die Transformation des Körperlichen in Energie, des Sichtbaren in das Unsichtbare: "Feuer allein hat keinen Bestand, ... es haftet an den brennenden Dingen und ist dadurch hell..."

Zwischen den Phasen des stillen Sitzens, anstelle des meditativen Gehens, entwickelt sich Pinselstrich für Pinselstrich ein großes Mandala. Ohne Absprache konkretisieren sich langsam, Schritt für Schritt, Vorstellungen von den Elementen unserer Welt und wachsen zu einem harmonischen Bild zusammen. Am Ende des Meditationstages übergeben wir es, das Nichtanhaften übend, der verwandelnden Kraft des Feuers.Zum Seitenanfang

Schweiz

Tibet Institut

weißes Gebäude in einer WaldlichtungEnde Juni liegt der Meditationstag Feuer hinter uns, die Sonne hat ihren Höchststand überschritten. Hier im Schweizer Rikon regnet es, Wolken hängen in den Bäumen, wir tauchen ein in einen nassen dunklen Wald, der das Tibet Institut bis zum Schluss vor uns verbirgt. Oben in einer Lichtung, die schmal bis hinunter ins Tal reicht, liegt das in den 60er Jahren unter der Schirmherrschaft des 14. Dalai Lama gegründete buddhistische Kloster der tibetischen Mönche. Es spielt eine wichtige Rolle für die seit 1961 in Rikon lebenden Exiltibeter und auch als Vermittler zwischen tibetischer und westlicher Kultur. Neun Mönche betreuen und beraten ihre Landsleute, zelebrieren die tibetischen religiösen Feiertage, unterrichten in buddhistischer Lehre und tibetischer Sprache, halten Vorträge und führen Belehrungen, Kurse und Privatunterricht auch für westliche Interessierte durch. Das Kloster beherbergt mit 12000 Titeln die zweitgrößte tibetische Fachbibliothek der Welt.

Täglich um 7 Uhr beginnt die Morgenmeditation, zu der jeder Gast willkommen ist. Fürsorglich wird mir gezeigt, wo Sitzmatten und -kissen zu finden sind und eine Handbewegung lädt mich ein, im Kultraum bei den Mönchen Platz zu nehmen. Auf den Altären brennen Butterlampen und Kerzen, die Wände sind von goldenen Statuen, Tangkas und großen, ledergebundenen Büchern lückenlos bedeckt, von einem Foto blinzelt mich Seine Heiligkeit in Lebensgröße verschmitzt an. Neben mir schlägt Lama Tenzin mehrmals kräftig einen Gong, markerschütternde vibrierende Klänge rufen zur Meditation. bunte Gebetsfahnen aus Stoff zwischen Baumstämmen aufgehängtNach und nach erscheinen die Mönche, eine ernste, dennoch ganz entspannte, freundliche Atmosphäre entsteht. Alles ist für mich neu, dennoch empfinde ich keine Fremdheit. Einer beginnt leise zu sprechen, die anderen stimmen ein. Das Gefühl von Vertrautheit beschleicht mich, ich suche nach Erinnerungen, finde keinen Anhaltspunkt. 45 Minuten ununterbrochene Rezitationen, schnell und fließend rhythmisch, wohlklingend tief, weich und sanft, versetzen den Körper in eine unwillkürliche innere Schwingung und den Geist in eine wunderbar leere Entspanntheit. Dann Ende der Rezitation, ohne weiteres stehen sie auf und gehen wieder, ohne Zeremonie, einer nach dem anderen.

Romiti Felsentor

Ansicht eines GebäudesWir sind nicht weit von Luzern. Zwischen Vitznau am Vierwaldstättersee und dem Gipfel Rigi Kulm hält die Rigi Bahn auch an der Station Romiti-Felsentor, sofern man dem Zugführer den Aussteigewunsch rechtzeitig mitgeteilt hat. Von hier aus führt ein Weg zunächst über Wiesen, dann zwischen hohen Tannen auf eine Wand aus großen Felsbrocken zu, die nur einen schmalen, dunklen und kühlen Durchgang zum ehemaligen Hotel Felsentor frei lassen. Danach, von der Gartenterrasse auf 1300 m Höhe, weitet sich der Blick schlagartig bis hinunter zum See. Heute beherbergt das grundlegend renovierte Gebäude eine "Begegnungsstätte spiritueller Wege" mit einer "buddhistisch orientierten interreligiösen Gemeinschaft". Eine neu errichtete Meditationshalle in einem japanischen Garten bietet das ganze Jahr über Raum für Veranstaltungen. Meditationen unterschiedlicher philosophischer Richtungen, Sesshins, Qigong, Yoga, Feldenkrais, tibetische Bewegungskunst und Heilmassage, Ideokinese, meditativer Tanz, Ansicht eines Hauses im japanischen Stiljapanische Tuschemalerei... mit hochqualifizierten Kursleitern, auch aus dem nicht weit entfernten Tibet Institut.

Ein Nutzgarten ist am Haus Felsentor angelegt, in mehreren Schuppen lagert Brennholz für den Winter. Die alten und/oder dem Schlachter entkommenen Tiere versorgt Schwester Theresia. Sie nimmt uns mit zu den alten Hühnern oben im Wald, durch den Pferch der Schweine, an den Schafen vorbei, die drei Ziegen und der Hund trotten mit uns, eine illustre Wandergruppe. Schwester Theresia ist Tierschutzlehrerin. Mitfühlend und kenntnisreich spricht sie über ihre Schützlinge. Ein paar Eier nimmt sie mit auf dem Rückweg und bleibt dann auf der zweiten Wiese bei den jungen Hühnern zurück, wir ziehen wieder in Richtung Rigi Bahnstation.Zum Seitenanfang

August

Meditationstag Erde

kreisförmiges Muster aus verschiedenfarbigem SandDer Spätsommertag beschenkt uns mit Sonnenschein und Wärme. Wir freuen uns über zwei liebe Gäste, die den Meditationstag mit uns verbringen. Wir sprechen über den Begriff Erde, der so viele Aspekte hat und im Chinesischen, je nach Bedeutung, mit verschiedenen Zeichen geschrieben wird. Erde ist der Planet im "Raum" des Universums, auf dem wir leben. Das Yin unter unseren Füßen gegenüber dem Yang über unseren Köpfen. Erde ist der Boden, der uns trägt und nährt. "Die Erde bewirkt Schöpfung und Wachstum..." (I Ging), sie ist die Grundlage jeglicher Nahrung. Im Menschen nehmen Mund, Magen und Milz die Nahrung auf, transformieren und transportieren sie zu allen Organsystemen, den Muskeln und dem mehrere Personen arbeiten an Ornamenten aus SandGewebe und nähren die festen und flüssigen Bestandteile des Körpers. Geerdet zu sein bedeutet, sich tief verwurzelt, von der Erde getragen und sicher zu fühlen. Der Erde entspricht die Energie der Mitte und sie bildete ursprünglich im Kreis der Wandlungsphasen das Zentrum. "...alles, was die Energie der Erde im Menschen unterstützt ... Ernährung, ... Qigong ... hilft, das innere Gleichgewicht zu finden..." (Platsch).

Jetzt, im August, unterstützen unsere Übungen im intuitiven Bogenschießen, die achtsame Bewegungen in Verbindung mit der Atmung und einen festen Bodenkontakt voraussetzen, in besonderem Maß die Erdeenergie und bereiten uns bei herrlichem Wetter im Garten große Freude. blütenförmiges Ornament aus SandDer "Heilende Milzlaut" beschließt die jeweilige Zeit des stillen Sitzens.

Über Jahre in fremden Ländern gesammelte Erde von Meeresstränden, Flussufern, Vulkanhängen füllen in Schattierungen von fast weiß bis glänzend schwarz einige Gläser. Nun dienen sie einem besonderen Zweck: In den Meditationspausen entwerfen und streuen wir Mandalas, jedes individuell wie sein Erfinder, in der weichen Farbigkeit der natürlich vorkommenden Erde.Zum Seitenanfang

Shanghai

hell erleuchtete HochhausfassadenDie Nacht ist kurz, wenn wir der Sonne entgegenfliegen. In Abrahams Schoß, weil ich den Piloten kenne. Eingebettet in feuchtheiße Luftkissen liegt Shanghai, mit flimmernd erleuchteter, himmelwärts zielender Finanzkraft und stilvollem Prunk der Gesellschaftselite im beginnenden 20. Jh., am Huangpu, einer Kloake in Form eines Flusses. Großartige moderne und historische Architektur an beiden Ufern, gewollt unnahbar. Nanjing Lu, Magie des gehobenen Konsums, wehrlos in den Straßen die Käufer der zehn-und-mehr-Millionen-Stadt . Theoretisch ist alles, alles zu haben. Zwischendrin kleine Verkäufer, witzig vergnügte fliegende Händler mit pfeifendem Schnurrbart und Laserkanonen und allerhand Verspieltem, inszenieren Katz und Maus mit den Polizisten. In der Seitenstraße acht große Kartons auf ein altes Fahrrad gebunden, der Sattel nur noch Klebebandlagen. Und schlimmer, Hände in Mülltonnen. Alles scheinbar nur eine halbernste Probe für das Spiel des Lebens?

chinesische Tempel mit typisch nach oben gebogenen DacheckenLonghua, Drachenblume, Oase am Rand. Altehrwürdige Tempel an Innenhöfen, Räume voller Boddhisattvas und Taras, Gold, Plastikblumen, Farben. Knieende, Meditierende, die Stimmung ernster und dringlicher Andacht. Rauch schwebt über den Kesseln, steigt aus dicken Bündeln Räucherstäbchen. Die ewig faszinierenden Rezitationen der buddhistischen Mönche vor dem Mittag. Dann holen sie sich ihre Suppe aus der Küche, wir setzen uns und essen bei ihnen. Wasserzapfstellen an den Tempelsockeln, daneben Seifenstückchen auf Schokoladenpapier. Nach dem Essen kann man sich säubern, ein Mann packt einen weißen Lappen aus und wäscht sich sein Gesicht. Im sanften Schatten der Dächer und kleiner Bäume lässt sich jetzt gut ruhen. Alles scheint einfach, so willkommen und heimisch und anrührend nah. Die weltliche Massage um Mitternacht beschließt wunderbar diesen großen Tag.Zum Seitenanfang

September

Nürnberger Hütte

hohe Berge mit einer winzigen HütteKurz vor dem selbst gesetzten Ultimatum beginnen wir noch mit dem Aufstieg aus dem Stubai Tal (1303 m) zur Nürnberger Hütte (2280 m). Der Ostalpenwetterbericht prognostiziert herbstlich-stabiles Berg- und Hochtourenwetter. Die kleine Kapelle bei der Bsuchalm gibt uns ihr auf die Wand gemaltes Motto mit: "Viele Wege führen zu Gott, einer über die Berge". Der steile Aufstieg am Nordhang im kalten Nachmittagsschatten, schlammig und steinig mit hohen Tritten, überschwemmt von flachen abwärts rauschenden Bächen. Oberhalb weitet sich der Raum, die dünner werdende Luft treibt jetzt den Atem an, der Himmel ist nah über den nackten schneegefleckten Felsen. Nach vier Stunden hebt sich die Hütte in der Ferne klein und schwach aus dem umgebenden Gestein, an der Wand brennt eine Lampe, winziger glimmender Punkt in der näher rückenden Dunkelheit. Die letzte Stunde Aufstieg hängt wie Blei an den schweren Rucksäcken. Dann endlich: Die Umarmung der warmen Stube, Teller mit köstlich-heißem Essen. In den winzigen Zimmerchen einfache, rot-weiß karierte Betten, das kleine Fenster umrahmt das grandiose Bild der Inneren Wetterspitz.

junger Mann im Vordergrund vor hohen BergenAm Morgen fließen die Schatten der Nacht gemächlich bergabwärts und geben die sonnengoldenen Bergspitzen unter der blauen, luftigen Durchlässigkeit des Himmels frei. Ein stiller, strahlend heller Tag breitet sich weit um uns herum aus und löscht die Erinnerung an entfernte Täler. Ein weiteres Ziel lockt. Beim Aufsteigen lernen wir eine Laune des Berges kennen, der unvermittelt und ganz treffsicher mit Geröll nach uns wirft und die Lust am Weitergehen auf dem Grat für heute etwas dämpft. Bis die Sonne hinter die Gipfel taucht und die Temperatur schlagartig fallen lässt, bleiben alle auf den sonnenwarmen Bänken vor der Hütte sitzen und lassen sich die hausgemachten Kuchen schmecken. So viel weiter als die Distanz in Kilometern sind wir jetzt vom Alltag entfernt und so hoch über ihm.Zum Seitenanfang

Oktober

Meditationstag Metall

Frau steht am Tisch und schreibt mit PinselJede Jahreszeit hat ihre eigene Energie. Wir nehmen sie mit allen Sinnen wahr. Wir sehen und spüren die zu- und abnehmende Intensität der Sonnenstrahlung, das Schrumpfen und Wachsen der Schatten, das Sprießen und Verfallen der Pflanzen, ihr Blühen und das Reifen ihrer Früchte, wechselnde Klänge und den Geruch von wiederkehrend Bekanntem. Unsere Aufmerksamkeit gilt dem Außen, dem Yang. Im Herbst wendet sich das Yang zum Yin. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Innwendung. Wir beginnen, Aufmerksamkeit und Kraft nach innen zu richten, denn äußerliche Aktivitäten schwächen uns jetzt, in der Yin Zeit, schneller. "... Ihr solltet euch mit dem Sonnenuntergang zurückziehen und in der Morgendämmerung aufstehen. So wie das Wetter im Herbst unwirtlicher wird, so verändert sich auch das emotionale Klima. Deswegen ist es wichtig, Ruhe und Frieden zu bewahren und nicht in Depression zu verfallen,... Es ist die Zeit, Geist und Energie zu sammeln, sich auf weniges zu konzentrieren und die Begierden im Zaum zu halten..." (aus: Der Gelbe Kaiser). Die Pausen zwischen den Zeiten des stillen Sitzens nutzen wir zum Schreiben einer der Vier Edlen, der Chrysantheme, die den Herbst symbolisiert. Wir praktizieren den Lungenlaut und wenden unsere Aufmerksamkeit den Körpersystemen und Emotionen zu, die nach der Traditionellen Chinesischen Medizin der Wandlungsphase Metall und der Jahreszeit Herbst entsprechen. Und wir lernen, für kurze Zeit die Gedanken anzuhalten.Zum Seitenanfang

Felsentor

Hausfassade vor einer FelswandMit der Zahnradbahn hinauf auf die Rigi, der Rucksack gepackt für mehrere Tage. Die autofreie Stille beginnt. Auf 1200 Meter, gleich hinter der Bahnstation, empfängt mich der weite Blick über den Vierwaldstättersee im warmen Dunst der Nachmittagssonne, unsagbare Schönheit. Mein Zimmerchen im ehemaligen Hotel aus dem 19. Jh. ist lichtdurchflutet, kein Windhauch bewegt die roten Weinblätter an der Hauswand. Man hatte uns vor Kälte gewarnt, vor einer Woche war der erste Schnee gefallen.

Die Tage beginnen und enden mit der einstündigen Meditation. Am frühen Morgen und am Abend, wenn wir hinübergehen in das japanische Meditationshaus, ist es tief dunkel und mild und über uns das Sternenmeer, das es nur in den Bergen zu sehen gibt. Sitzen, aufgerichtet und tief verwurzelt wie ein Baum. Lauschen nach innen, der Atem fließt leise wie der Wind durch die Blätter und breitet sich aus, sanft und ruhig bis in die Zehen und Haarspitzen. Der Baum denkt nicht, hat keine Erinnerung an gestern, keine Hoffnungen und Wünsche für morgen. Er ist vollkommen nur Baum vor dem klaren, unendlichen Blau des Himmels.

schneebedeckte Berge über den WolkenJede Tageszeit ist ein neuer Akt im Schauspiel der Natur und im Frühstücksraum sitzen wir in der ersten Reihe. Über dem See der langsam ziehende, zart pink gefärbte Wolkenteppich, schneebedeckte gezackte Gipfel im ganz frühen Morgenlicht, durchsichtige, leichte Wolkenmeere, die wie Schleier in die Täler ziehen und die Berge umspülen wie milchiges Wasser, brennende Sonnenuntergänge und Wolken wie an einem Lineal entlang geschnitten. Unser tibetischer Lehrer Loten Dahortsang beginnt, mit Blick nach draußen, von Shambala, dem mystischen Ort zu erzählen. Die Tage sind gefüllt mit Meditationen und Unterweisungen, Einführung in die Kum Nye Massage, den fünf Grundübungen des Lu Jong, an den Nachmittagen üben wir auf der sonnigen Wiese. Ein weiterer großartiger Lehrer unterrichtet uns: Lharampa roter Himmel mit WolkenTenzin Kalden Dahortsang. In seiner Gegenwart und unerschütterlich kraftvollen Präsenz erobern wir eine neue Stufe der Meditation, weites Gewahrsein und größere Gewissheit. Das Üben ist ernst und fordert uns stärker. Wir haben Spaß an seinen Erzählungen, lauschen jedem Wort seiner Belehrungen. Doch was wäre Lernen und Üben ohne Pausen, in denen herrliches Essen für uns bereit stand. Beim Abschied, wie immer, tröstete die Aussicht auf ein Wiedersehen und Weiterlernen.

Meine Reise geht weiter nach Winterthur, am nächsten Tag sehr früh nach Rikon zur Morgenmeditation ins Tibet Institut. Der Übergang vom kühlen, feuchten Halbdunkel des Waldes in den warmen, durch Butterlampen und Kerzen sanft erhellten BuddhafigurenKultraum löst Glücksgefühle aus, wieder dieses Zuhausesein. Lama Tenzin Jottotshangs warme, weiche Hand zur Begrüßung, der laute Gong, der die Möche ruft, die einstündige tibetische Rezitation, von der ich erstmals kleine Teile identifizieren kann. Neben meinem Sitzkissen nehme ich meine nicht körperlich anwesenden Freunde wahr und all die Erinnerungen an unsere hier verbrachten Tage im Sommer, an die Meditationen und die gemeinsam erhaltene Einweihung schweben im Raum, haften an Kissen und Matten, an den Tangkas, schauen aus den verschmitzten Augen des Dalai Lama, funkeln in den Flammen und liegen in den Händen aller Boddhisattvas. Die Mönche gehen zum Frühstück, jetzt kann ich mich auf den Heimweg machen.Zum Seitenanfang